Studienwettbewerb Areal Farnbühl Wohlen ' Vielfalter'
Standort:

Wohlen

Nutzung:

Wohnen

Aufgabe:

Planungsstudie des Areals

Auftrag:

Wettbewerb Planung gem. SIA Phase 2

Anzahl Wohnungen:

156

Geschossfläche:

16'868 m2

Grundstückflläche:

22'301 m2

Landschaftsarchitektur:

Böe studio

Jahr:

2023

Landschaftsarchitektur:

Böe studio

Die Grundfigur des Projekts ist einfach: ein schützender geschlossener Gebäuderücken zur Strassen- und Bahnseite und ein offener, kommunikativer, mit Punktbauten bespielter Hof. Dieses konsequente Prinzip ermöglicht die Entwicklung einer Vielfalt von Wohnungs- und Nutzungstypen. Der Freiraum unterstreicht diese Dualität mit einem Grüngürtel zur Lärmseite und einem verbindenden Wegnetz mit kleinräumigen Nutzungsinseln im Hof. Durch Abwinklungen, Überstülpungen und eine differenzierte Materialität tritt die zukunftsfähige Holzkonstruktion trotz hoher Repetition individuell und im bewohnergerechten Massstab auf.

Architektur und Städtebau
Die Gebäudesetzung ist durch den rechtskräftigen Gestaltungsplan mit grosser Präzision und wenig Spielraum für Abweichungen sehr konkret vorgegeben.
Das weiträumige Areal wird von einem langen Zeilenbau gesäumt. Dieser Baukörper zeichnet sich durch seine Länge aus und schütz den inneren Bereich vor dem durch die Lärmbelastung des Bahnverkehrs. Die grosse Herausforderung besteht darin, die dreihundertfünfzig Meter lange Fassade zu artikulieren, siedlungsähnlicher zu gestalten und damit den Freiraum zu rhythmisieren. Wie ein Fraktal wird diese lange Fassade in verschiedene Fragmente gefaltet, mit dem Ziel kleinere und massstäblichere Fassadenabschnitte zu generieren. Die Fassadenknicke übernehmen ausserdem eine räumliche Funktion und positionieren sich an den Stellen, wo das Gebäude eine städtebauliche Funktion einnimmt: Erschliessungen, Wechsel in der Geschossigkeit, Durchgänge.

Der bahnseitige Aussenraum bildet die Erschliessungsgasse für die Wohnbauten des langen Riegels. Die Treppenhäuser setzten mithilfe ihrer Form und Materialisierung Akzente in diesem Aussenraum und bilden klare Adressen. Die beiden im Gestaltungsplan vorgeschlagenen Durchgänge zwischen dem inneren Bereich und der bahnseitige Erschliessungsgasse im Erdgeschoss werden als zu wenig erachtet weshalb ein dritter Zugang ergänzt wird. Somit erhalten alle Siedlungsplätze einen Bezug zum inneren Bereich und umgekehrt.
Der Zugang zum Areal erhält an der Kreuzung von Freiämterstrasse und Farnbühlstrasse einen repräsentativen Auftakt. Durch die Positionierung von gemeinschaftlichen Nutzungen wird die Öffentlichkeit an diesem Ort gestärkt. Der Ankunftsplatz ist die Visitenkarte der Siedlung und empfängt die Bewohnenden und die Besuchenden. Am Ankunftsplatz befindet sich ebenfalls die Zufahrt zum Areal, deren einladende und offene Ausformulierung zur klaren Adressbildung beiträgt. Durch die Trennung des motorisierten Verkehrs am Auftakt des Areals, bleibt die restliche Siedlung oberirdisch autofrei, sodass die Erschliessungsflächen zugunsten von qualitativen Aussenräumen reduziert werden kann.
Aufgrund ihrer Grösse und exponierten Lage bekommt die Siedlung eine formale Eigenständigkeit. Die Überbauung versteht sich als Bindeglied zwischen Landschaft und Stadt. Die Werte des kleinstädtischen Zusammenlebens werden damit ins einundzwanzigste Jahrhundert transportiert.

Wohnungskonzept. Wohnungsmix
Ein vielfältiger Wohnungsmix wird angestrebt. Jedes Treppenhaus erschliesst wenigstens drei verschiedene Wohnungstypen. Diese Vielfalt fördert den Austausch zwischen verschiedenen Menschen und unterschiedlichen Lebensweisen.
Im inneren Bereich sind Punktbauten vorgesehen, die zwar einen ähnlichen Fussabdruck aufweisen, aber abgewinkelt zueinander positioniert sind. Diese kleinen Solitäre erlauben eine vielfältige Ausrichtung der Wohnungen.
Die optimale Besonnung und Aussicht der einzelnen Wohnungen stellen wesentliche Ausgangspunkte für die Ausrichtung dar. Die Wohnungen sind in Tag- und Nachtbereiche gegliedert. Der Nachtbereich zeichnet sich durch seine Geschlossenheit aus und schafft Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohnenden. Die Tagbereiche sind hingegen sehr offen, lichtdurchflutet und durchlässig. Dadurch wird das Gefühl vom Leben in der Natur gestärkt und die Nähe zum parkähnlichem Aussenraum spürbar.
Diese grosszügigen Wohnungen verfügen über ein Schaltzimmer, das mit mobilen resp. raumbildenden Innenwänden zum Wohnzimmer geöffnet oder geschlossen werden kann.

Die organische Verzahnung mit dem Aussenraum und die Einbettung der Gebäude in ihr unmittelbares Umfeld wird durch den Mix von auskragenden und eingezogenen Balkonen erreicht.

Die Wohnungen des langen Riegels werden hingegen als Durchwohnen konzipiert, um den Bezug zum Aussenraum in mehreren Himmelsrichtungen zu gewährleisten. Alle lärmempfindlichen Räume werden gartenseitig ausgerichtet. Die Bahnseitige Fassade erhält die Nasszellen, Küchen, Reduits und Erschliessungsbereiche. Die Wohnräume haben ebenfalls ein Fenster zur lärmbelasteten Fassade. Durch ihren trichterförmigen Grundriss öffnen sie sich dennoch eindeutig zur beruhigten Gartenseite.

Freiraumkonzept
An den Siedlungsplätzen befinden sich verschiedene Spiel- und Aufenthaltsbereiche für verschiedene Bedürfnisse, die zum Verweilen einladen und den Austausch der Bewohnenden fördert.
Private Aussenräume der Erdgeschosswohnungen, welche sich vom öffentlichen Raum unterscheiden, bieten Möglichkeit zur persönlichen Aneignung.

Materialisierung
Die Neubauten werden in zwei Gebäudeteile gegliedert. Diese Abwechslung wird durch die unterschiedliche Materialisierung unterstrichen: die durchlässigen Gebäudeteile (Wohnräume) und deren Balkone zeichnen sich durch ihre Transparenz und durch die filigrane, metallische Konstruktion aus und funktionieren als Filter, als Schwelle zwischen Natur und Architektur.
Die geschlossenen Gebäudekörper hingegen erhalten durch die wechselnde Faserzementschalung und die Brüstungsfenster den gewünschten introvertierten, aber individuellen Charakter.

Statik
Sowohl der Riegelbau, als auch die Solitärbauten sind in Hybridbauweise ausgeführt. Die Betondecken der Zeile lagern gartenseitig auf massiven, tragenden Wänden in Holzelementbauweise auf. In Richtung der Bahngleise bilden Aussenwände in Massivbauweise aufgrund der erhöhten Lärmschutzanforderungen die Tragstruktur. Die Punktbauten sind vollständig in Holzelementbauweise im Hybrid mir Betondecken konzipiert.

Nachhaltigkeit
Trotz seiner erheblichen Länge kann der Riegel als kompakt bezeichnet werden. Durch repititive Einheiten vereinfacht und minimiert er die konstruktiven Detaillösungen und ermöglicht einen hohen Vorfabrikationsanteil. Die Holzfassade kann aufgrund der Elementtrennung einfach rückgebaut werden und leitet dadurch einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Ausserdem ist die Möglichkeit zu späteren Sanierungs- oder Umbaumassnahmen durch die Elementteilung in den Fassaden gegeben und stellt somit die Langlebigkeit des Gebäudes sicher.

Gebäudetechnik
An jedes Treppenhaus ist unterirdisch ein Technikraum angeschlossen. Die kontrollierte Wohnraumlüftung sichert eine gleichmässige und optimale Klimatisierung der Innenräume. Die Tiefgarage besteht aus einer langen, kompakten Einstellhalle. die Parkierung wird vollständig unterirdisch gelöst. Die Einstellhalle tritt auf den Freiraum nicht in Erscheinung.
Es sind 180 Parkplätze vorgesehen. Jeder Doppelparkplatz erhält eine Ladesäule, die durch den Modus „sleep and charge“ einen angemessenen Energieverbrauch gewährleistet. Die Veloabstellräume sind gemäss Merkblatt „Veloparkierung für Wohnbauten“ der Stadt Zürich dimensioniert.

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